JÜdische Gemeinde
Villingen - Schwenningen und Schwarzwald Baar e.V.

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Jüdische Gemeinde Villingen-Schwenningen

Die Geschichte der jüdischen Gemeinde Villingen Schwenningen


In der bis zum Anfang des 19. Jahrhunderts habsburgischen Stadt Villingen bestand eine jüdische Gemeinde zunächst im Mittelalter. Erstmals werden 1324 Juden in der Stadt genannt. Die Judenverfolgung in der Pestzeit 1348/49 vernichtete die Gemeinde. Von Ende des 14. Jahrhunderts bis zur Ausweisung der Juden 1510 werden wieder einige jüdische Einwohner in der Stadt genannt.

Erst in der 2. Hälfte des 19. Jahrhundert (ab 1862) zogen jüdische Personen vermehrt nach Villingen. Wobei anzumerken ist das ein „Minjan" - heißt „Zahl" oder „Zählung", die Mindestzahl von zehn erwachsenen jüdischen Personen, die eine Betgemeinde bilden immer im Ort vorhanden waren. 

Nachdem 1895 die Zahl der jüdischen Einwohner in Villingen auf 40 Personen (Männer) angewachsen war, gründeten sie eine jüdische Gemeinde. 1900 zählte Villingen 62 jüdische Männer. Bis nach 1933 bestanden mehrere jüdische Handels- und Gewerbebetriebe in der Stadt, darunter Viehhandlungen, ein Immobiliengeschäft, Textilgeschäfte und ein Kaufhaus, sowie viele Kleingewerbetreibende.

Ein wichtiger Nachweis, das die Villinger Juden sich als Bestandteil der Stadt sahen war das sie in allen Vereinen der Stadt vertreten und geachtet wurden. Auch ein jüdischer Rechtsanwalt hatte sich in der Stadt niedergelassen.  

Auf Grund der Judenverfolgungen und -ermordungen in der NS-Zeit kamen von den 1933 in Villingen wohnhaften 60 jüdischen Personen mindestens 19 ums Leben. 

 

Zur Geschichte der Synagoge / des Betsaals

Das mittelalterliche jüdische Wohngebiet lag in der Oberstadt. Eine Synagoge, die 1379 als "Judenschule" genannt wird, befand sich im Winkel zwischen dem Münsterplatz und der heutigen Kronengasse. Nach der Judenverfolgung 1349 ging sie in den Besitz des Spitals über. 

Ende des 19. Jahrhundert richtete die neu entstandene Filialgemeinde einen Betsaal ein. Hierfür stellte der Viehhändler Hugo Schwarz das Obergeschoss seines Hauses in der Gerberstraße 33 zur Verfügung. Beim Novemberpogrom 1938 verschafften sich SS- und SA-Leute aus Villingen mit Gewalt den Zutritt zum Haus des Betsaales. Die Meute setzte diesen in Brand und misshandelte den Hausbesitzer Hugo Schwarz.  
Das Haus in der Geberstraße 33 ist als Wohnhaus erhalten. Unweit davon erinnert seit 1978 an einem Brunnen in der Gerberstraße eine Gedenktafel an den ehemaligen Betsaal.

Die seit den 1990er-Jahren überwiegend aus den GUS-Ländern in Villingen-Schwenningen wieder zugezogenen jüdischen Personen bilden mit den jüdischen Einwohnern in Villingen Schwenningen 2001 die Jüdische Gemeinde  für Villingen-Schwenningen und Schwarzwald Baar e.V.

Dadurch, das die Vorsitzende wohnhaft in Rottweil war, wurden 2003 eine neue Jüdische Gemeinde auch in Rottweil aufgemacht. Die Villinger Jüdische Gemeinde bestand jedoch weiter und war weiter für den gesamten Schwarzwald Baar und Heuberg tätig. Auch wenn die  Aktivitäten nun vermehrt durch das neue jüdische Leben in Rottweil bestimmt wurden. 2006 jedoch wurde durch Zuwanderung aus Israel jüdisches Leben auch in der Gemeinde Villingen-Schwennigen und dem Baar Heuberg Kreis wieder aktiv. Mit der Neuformierung eines jüdischen Kulturvereins „Kadima“ und der Vorstandsumbildung der Jüdischen Gemeinde Villingen und Schwarzwald Baar Heuberg e.V. trat nun die Urgemeinde wieder zurück ins Rampenlicht der Geschichte. Seitdem feiern Juden in Villingen wieder Schabbat  haben einen eigenen Kantor und sind an vielen Aktivitäten beteiligt.