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Villingen - Schwenningen und Schwarzwald Baar e.V.

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Jüdische Gemeinde Villingen-Schwenningen

Purim in Villingen

Villingen, 05.03.2007

„Den Juden werde Licht, Freude, Wonne und Ehre zuteil“ so singen sie, wenn sie den Schabbat verabschieden, und so steht es im Buch Esther geschrieben. Der Schabbat ist der wöchentlich Ruhetag, an dem des Schöpfers gedacht wird. An dem Wochenende 3. / 4. März feiern villinger Juden das erste Mal seit 1938 wieder Schabbat mit einem jüdischen Kantor in der Doppelstadt. An diesem Wochenende schließt sich aber auch gleich an die Schabbatfeier das jüdische Purimfest an.

Kranzlegung für die KZ Opfer

Dieses Fest wird einen Monat vor Pessach gefeiert und erinnert an die Vorgänge, von denen das Buch Ester berichtet. Der Name Purim leitet sich von dem Wort 'pur' (Plural Purim) ab, welches 'Los' im Sinne von 'ein Los ziehen' bedeutet, wegen der Lose die Haman, 'Ministerpräsident' des Königs Achaschwerosch [= Xerxes I, 486 - 465 v. Chr.] von Persien ziehen ließ, um den Tag zu bestimmen, an dem die Juden des Landes vernichtet werden sollten. Hamans Vorhaben wurde von der schönen Königin Ester und ihrem Vetter Mordechai vereitelt. Unter Einsatz ihres eigenen Lebens setzte sich Ester beim König für ihr Volk ein, woraufhin Hamans Befehl scheiterte. So wurden die persischen Juden nicht ausgerottet, sondern Haman und seine Familie endeten am Galgen, den er selbst für Mordechai errichtet hatte. Da verwandelten sich 'ihre Schmerzen in Freude' und die Tage der Verzweiflung wurden zu Festtagen, an denen 'einer dem anderen Geschenke und den Armen Gaben schickte' (Ester 9, 22)" (Alois Payer). Unwiederbringlich mit dem Purimfest verknüpft, ist das religiöse Gebot, der Lesung der Esterrolle zuzuhören, ein Freudenfest zu feiern, die Sitte Geschenke zu verschicken und Almosen an Arme zu verteilen. Außerdem ist Brauch, dass die Kinder sich verkleiden...Fastnet auf jüdisch.


Dieses Jahr, welches im jüdischen Kalender 5767 zählt, kommt der Kantor José Prys aus Straßburg und wird die von dem Verein „Jüdische Synagoge Villingen“ gespendete Esterrolle mitbringen um daraus vorzulesen, der Bürgermeister und die Vertreter der evangelischen und katholischen Kirche, der Rabbiner Wurmser aus Stuttgart, sowie weitere Personen des öffentlichen Lebens wurden hierzu eingeladen.


Wie man aus den Stadtarchiven erfahren kann, war die Geschichte der Juden in Villingen gekennzeichnet durch wechselnde Perioden: die erste Urkunde, die Zeugnis von jüdischen Leben in Villingen ablegt, datiert aus dem Jahr 1324. Aus den ältesten Bürgerbüchern lässt sich erfahren, dass es eine Synagoge in Villingen gab, aber im Zusammenhang mit der Judenverfolgung zur Zeit der großen Pest um 1349 verschwand auch diese jüdische Gemeinde spurlos. Ab 1499 kann man von Schutzjuden in Villingen lesen, jedoch 1510 erfolgte eine Ausweisung der jüdischen Menschen aus der Stadt unter dem Vorwand des Ritualmordes. Erst Ende des 19.ten Jahrhunderts lebten wieder jüdische Menschen in Villingen mit einem Betsaal in der Gerberstrasse, es waren jedoch weder ein Kantor oder ein Rabbiner ansässig. Die Nationalsozialistische Gewaltherrschaft bereitete dem jüdischen Leben in Villingen 1938 ein Ende.


Mit dem Freudenfest Purim wird erstmals wieder jüdische Fröhlichkeit in Villingen sichtbar und knüpft an lokale Traditionen an: die jüdische Bevölkerung Ende des 19. Jh. war auch in den hiesigen Fasnet-Verbänden aktiv. Dass die Stadt für dieses Freudenfest einen jüdischen Kantor beherbergt, der nach der alten aschkenazischen Tradition singt, erinnert uns daran, wie vor 1510 in Villingen die Gebete gesungen wurden. Eine Synagoge gibt es noch nicht wieder, aber einen Förderverein. Möge die Stadt Villingen „Licht, Freude, Wonne“ mit uns teilen !

Kranzlegung für die KZ Opfer

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