Götzendienst heute : nicht bei uns zuhause
Der aktuelle Wochenabschnitt beinhaltet den ersten Torahabschnitt, der den Götzendienst verbietet. Das zweite der Asseret HaDibrot (Zehn Gebote) besagt: "Du sollst keine anderen Götter haben vor Meinem Angesichte. Du sollst dir kein Bild machen und keinerlei Gestalt von dem, was im Himmel oben, auf der Erde unten oder im Wasser unter der Erde ist."[Schemot 20:3-4] Dies ist die erste von vielen Verboten in der Torah, die sich auf Awoda Sara (wörtlich: fremde Anbetung) beziehen. Die Torah enthält viele solche Warnungen.
Jedem, der das Tenach (Torah und Prophetenbücher) auch nur oberflächlich kennt, weiss, dass das Problem von "Awoda Sara" das jüdische Volk während seiner ganzen Existenz geplagt hat. Erst als die Männer der Grossen Versammlung ("Anschej Knesset HaGedolah") für das Verstummen dieses Verlangens, dieses schlechten Triebes ("Jezer Hara") nach Awoda Sara beteten, so wie dies im Talmud (Sanhedrin 64a) beschrieben wird, verschwand dieses Bedürfnis.
In der heutigen Zeit ist es für uns schwer nachzuvollziehen, wieso geschnitzte Bildnisse eine derartige Anziehungskraft besassen, von Auswüchsen wie dem Verbrennen der eigenen Kinder für Awoda Sara ganz zu schweigen. Die Greueltaten, die im Namen von Awoda Sara verübt worden waren, sind für uns völlig unverständlich.
Um nur ein wenig zu verstehen, wie stark in biblischen Zeiten der natürliche Drang in Richtung Awoda Sara war, können wir es mit dem Trieb vergleichen, der heutzutage für verbotene Beziehungen ("Arajot") besteht. Diesen Vergleich können wir benützen, um uns vorzustellen, wie stark die Kraft von Awoda Sara zu biblischen Zeiten gewesen sein muss.
Weil heute dieser Jezer Hara nicht mehr besteht, scheint es, dass die vielen Verbote der Torah betreffend Awoda Sara, für uns gegenstandslos geworden sind. In diesem Bereich werden wir nie "auf die Probe gestellt".
Auf vielen Gebieten werden wir jedoch "auf die Probe gestellt". Manchmal stellen wir fest, dass wir wegen einer Sache, die am Schabbat verboten ist, "geprüft" werden. Manchmal drängt es uns zu unmoralischen Handlungen. Unser Drang zu übler Nachrede (Laschon Hara) stellt uns dauernd auf die Probe. Wir wissen um die Verlockungen in Geldangelegenheiten. Aber es scheint uns klar, dass wir uns während unserem ganzen Leben nie mit einem Problem von Götzendienst werden herumschlagen müssen.
Wir bemerken, dass wir höchstwahrscheinlich doch im Bereich von Awoda Sara "geprüft" werden. Der Talmud lehrt [Schabbat 105b]: "Jeder, der in Wut gerät, ist wie einer, der Götzen dient." Die Gemara leitet dies vom Vers her: "Lo jichjeh becha el sar" - "Es soll in deiner Mitte keinen fremden Götzen geben." [Tehillim 81:10] Welcher fremde Götze ist in der Mitte eines Menschen? Der fremde Götze ist das eigene Ich des Menschen. Wenn ein Mensch zornig wird, ist das ein Ausdruck von Awoda Sara.
T. Kahane